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Verena Bentele und Josef Giesen zum Auftakt siegreich
Routiniers Frank Höfle und Thomas Oelsner auf zweiten Plätzen / Zwei Mal Platz drei für Willi Brem
Zum Auftakt der Paralympicsaison 2005/2006 in glänzender Form zeigt sich die blinde Skilangläuferin Verena Bentele. Bei den Weltcup-Rennen in Val di Fiemme war die Tettnangerin mit zwei Siegen und einem zweiten Platz die erfolgreichste deutsche Teilnehmerin. Den dritten Sieg für die von Cheftrainer Werner Nauber betreute Mannschaft ging auf das Konto von Josef Giesen (Herzlake). Die Routiniers Frank Höfle (Isny) und Thomas Oelsner (Oberhof) landeten jeweils einmal auf dem zweiten Platz. Zwei dritte Ränge steuerte Willi Brem (Ketterschwang) zur zufrieden stellenden Bilanz bei.
Fast schon Welten lagen in den beiden Biathlon-Wettbewerben im WM-Ort von 2003 zwischen der Studentin und der Konkurrenz. Fast sechs Minuten betrug der Vorsprung von Verena Bentele und ihrem Begleitläufer Franz Lankes beim Sieg über 12,5 Kilometer mit vier Schießeinlagen vor der Französin Emilie Tabouret. Nur bei der ersten Fünfer-Serie zielte sie einmal vorbei und blieb danach fehlerlos. Dazu markierte sie die eindeutig schnellste Zeit und unterstrich ihre Fortschritte in der Skating-Technik seit dem Amtsantritt des neuen Bundestrainers Werner Nauber.
Im Biathlon-Sprint (7,5 km) blieb sie bei zehn Schüssen sogar fehlerfrei und distanzierte bei ihrem erneuten Erfolg in 26:40,21 min ihre große Rivalin Yadviha Skorabahataya um 3:27,19 min. Die Weißrussin revanchierte sich in dem zum Abschluss der dreitägigen Wettbewerbe im klassischen Stil ausgetragenen Mittelstreckenrennen und gewann in 38:06,14 min mit rund 43 Sekunden Vorsprung vor Verena Bentele (38:49,16 min). Die starken Russinnen Tatiana Ilioutchenko (39:08,70) und Vasilieva Luobov (39:18,37) konnte sie in Schach halten und belegte Platz zwei.
Beim Biathlon-Langstreckenrennen in Val di Fiemme setzte sich Josef Giesen (Herzlake) in der stehenden Männerklasse mit einem hauchdünnen Vorsprung gegenüber dem Russen Rustam Garifullin durch. Bei beinahe idealen äußeren Bedingungen leistete sich der amtierende Vizeweltmeister lediglich im letzten Schuss der ersten Fünfer-Serie eine "Fahrkarte". Durch eine stark verbesserte Laufleistung hielt er auf der 12,5 Kilometer-Strecke in der Gesamtzeit von 42:55,87 Minuten schließlich Rustam Garifullin (42:56,52) und den drittplatzierten Norweger Nils-Erik Ulset (44:08,22 min) nieder. Die Plätze vier und fünf belegten mit Thomas Oelsner (Oberhof) und Harald Thauer (Oberstdorf) zwei weitere Deutsche. Auch im Biathlon-Sprint war Giesen schnell unterwegs, hatte bei wechselnden und teilweise böigen Winden aber Pech auf dem Schießstand. Giesen: "Da ich bei aufkommenden Wind von rechts nicht an der Optik meiner Waffe drehen kann, ging die erste Serie daneben." Vier von fünf Schüssen verfehlten das Ziel und die entsprechenden Strafrunden warfen ihn bereits entscheidend zurück. Am Ende wurde das „Nordlicht“ im deutschen Team Siebter.
Um die Winzigkeit von vier Zehntelsekunden verpasste der Oberhofer Thomas Oelsner beim Biathlon-Sprintrennen in Val di Fiemme den ersten Sieg in der Weltcup-Saison 2005/2006. Vier Strafrunden nach ebenso vielen Fehlschüssen bei der zweiten Schießeinlage waren auf der kurzen 7,5 Kilometer-Biathlondistanz am Ende trotz einer Laufbestzeit des amtierenden Weltmeisters zu viel, um den Österreicher Michael Kurz (24:50,68 min) vom ersten Platz zu verdrängen. Dabei sah Oelsner nach einem fehlerfreien ersten Schießen noch wie der klare Sieger aus. Bei teilweise heftigen Böen zielte er aber dann zu oft daneben und wurde letztlich in 24:51,07 min Zweiter vor dem überraschend stark schießenden Russen Valery Darovskikh (25:13,10 min).
Während Thomas Oelsner auch im zweiten Biathlon-Rennen mir Rang vier trotz fünf Schießfehlern eindrucksvoll seine gute Skating-Form nachwies, machen ihm auch im Paralympic-Winter die Spezialisten im klassischen Stil zu schaffen. Mit den beiden Norwegern Kjartan Haugen (1.) und Andreas Hustveit (3.), dem Finnen Ilkka Tuomisto (2.) und dem viertplatzierten Weltmeister von 2003, Yoshihiro Nitta (Japan) kristallisieren sich die Favoriten für die Wettbewerbe der Paralympics im März in Pragelato schon heraus. In 33:25,19 min lag Oelsner immerhin um 2:46,02 min hinter dem überlegenen Tagessieger Haugen (30:39,17 min).
Silber bleibt die Farbe des Frank Höfle. Um ganze 13 Sekunden verpasste der sehbehinderte Skilangläufer von der BSA Isny beim Mittelstrecken-Rennen in Val di Fiemme den ersten Weltcup-Sieg der laufenden Saison. Nicht sein bei den Weltcup-Rennen der Nichtbehinderten in Canmore gestarteter Dauerkonkurrent Brian McKeever, sondern der Ukrainer Vitaliy Lukyanenko schnappte Höfle Platz eins beim Rennen über 10 Kilometer im klassischen Stil den ersten Platz weg. Der ebenfalls in der Wettkampfklasse B2 laufende Lukyanenko siegte in 31:098,27 min vor dem vielfachen Paralympicsieger und Weltmeister, der mit Begleitläufer Johannes Wachlin nach 31:21,60 min die Ziellinie überquerte.
Nachdem Frank Höfle in Val di Fiemme auf das einleitende Biathlon-Langstreckenrennen verzichtet hatte, nutzte der in diesem Paralympic-Winter voll auf die Langlauf-Disziplinen konzentrierte Isnyer den Biathlon-Sprint als besseres Aufwärmprogramm. Ohne das nötige Training leistete er sich im Schießstand nicht unerwartet gleich sieben Fehler und fiel mit seinen Strafrunden deutlich gegenüber der Spitze zurück. Mit einem Rückstand von 4:10,59 min auf den fehlerfrei schießenden Sieger Vitaliy Lukyanenko (22:54,25 min) belegte Höfle 27:04,84 min) unmittelbar hinter dem Tettnanger Michael Bentele Platz neun.
Die beiden Biathlon-Wettbewerbe ganz oben auf seiner Liste hat dagegen der in Freiburg lebende und trainierende Blinde Willi Brem, der mit zwei dritten Plätzen die Anwartschaft auf Edelmetall auch bei den Paralympics anmeldete. Nur ein Fehlschuss bei insgesamt 30 Versuchen in Pragelato zeigt die Stärke des mit Guide Ulrich Zipfel laufenden Brem. Im Biathlon-Sprint über 7,5 Kilometer fehlten dem Allgäuer in 23:28,45 min daher auch nur rund 34 Sekunden zum Sieg und 18 Sekunden zu Rang zwei. Etwas deutlicher war der Rückstand auf der langen Distanz zu dem nur um zehn Sekunden getrennten Spitzenduo aus Irek Mannanov und Vitalyi Lukyanenko.
Während der Oberstdorfer Harald Thauer mit Platz fünf im ersten Biathlon noch ins Vorderfeld der sehr gut besetzten Wettkämpfe in Val di Fiemme lief, müssen mit Michael Bentele (Tettnang), Jörg Baldauf (Isny) und den beiden Schlittenfahrern Michael Weymann und Peter Müller (beide Freiburg) noch einige Mitglieder der deutschen Mannschaft um ihre Tickets für die Paralympics in Turin zittern. Sie werden Mitte Januar noch vor den nächsten Weltcup-Wettbewerben in Lillehammer (Norwegen) von der Nominierungskommission des Deutschen Behindertensportverbands vergeben.
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