Von Jens Zimmermann (03.06.2008)
Nach zehn Spielen in Baden Württemberg gastiert am 7. Juni die deutsche Skisprung-Nationalmannschaft erstmals zu einem Benefiz-Fußballspiel im Emsland. Passender Weise zum Auftakt der Fußball Europameisterschaft treffen die deutschen Adler in Meppen auf die nordische Behinderten-Nationalmannschaft um den Herzlaker Josef Giesen.
Mit dabei ist auch ein ehemaliger Skispringer. Kein geringerer als der Vierschanzentourneesieger, Olympiasieger und Weltmeister, Sven Hannawald, unterstützt vier Jahre nach seinem Rücktritt die Kollegen um Martin Schmitt.
Frage: Hallo Sven, wie geht es Ihnen, wobei stören wir sie gerade?
SH: Danke, alles bestens. Wollte gerade meine Laufschuhe anziehen und bisschen laufen gehen.
Frage: Sie scheinen immer noch sehr fit zu sein?
SH: Na sicher. Ich bin super fit für das Spiel in Meppen. Freue mich auch schon richtig darauf. Außerdem fahre ich ja jetzt bei der Porsche GT-Serie, da gehört eine gute Kondition zur Grundvoraussetzung.
Frage: Wie kamen sie denn zum Autorennsport?
SH: Die letzten Jahre hatte ich ja schon das eine oder andere Gastspiel in einer Rennserie mit Seat. Der Besitzer meines damaligen Fahrzeuges hat auch einen Porsche bei der GT-Serie. Er fragte mich ob ich nicht auch mal Porsche fahren wollte. Da habe ich gerne zugesagt.
Frage: Und wann ging es dann los?
SH: Im Herbst habe ich es das erste Mal ausprobiert. Es hat super viel Spaß gemacht. Der Erfolg ist zunächst mal zweitrangig. Mit dem Bob-Olympiasieger Christoph Langen habe ich einen perfekten Team-Partner. Er hat schon vier Jahre Erfahrung in der Serie, da kann ich viel lernen.
Frage: Liegt ihnen die Arbeit im Team mittlerweile mehr? Schließlich waren Sie doch immer Einzelsportler?
SH: Es macht sehr viel Spaß in einer Mannschaft zu arbeiten. Das Dasein als Einzelsportler habe ich satt. Es ist schön gemeinsam zu feiern oder zu leiden. Egal ob beim Fußball oder beim Motorrsport.
Frage: Leiden ist ein gutes Thema. Die Skispringer mussten die letzten Jahre auch mehr Leid als Freude ertragen. Wie groß ist Ihr Interesse noch am Skispringen?
SH: Sicherlich war mein Interesse schon größer als zur Zeit, doch das liegt vielleicht auch an den sommerlichen Temperaturen. Im Winter schau ich mir die Springen zumindest am Fernsehen meistens an. Sicherlich ist das grundsätzliche Interesse auch abhängig davon was man sonst so macht.
Frage: Der Deutsche Skiverband (DSV) will sie gerne künftig mit einer Funktion einbinden. Dann wäre das Interesse wieder größer.
SH: Sicherlich wäre es größer, dass versteht sich ja von selbst. Doch es ist noch nichts entschieden (Stand: 1. Mai 2008(!)). Es wird weitere Gespräche geben. Ich höre mir das alles mit Interesse an, dann wird es irgendwann eine Entscheidung geben.
Frage: Letztes Jahr waren Sie als ZDF-Experte bei der Tournee vor Ort. Haben Sie damit das „Loch“ überwunden, schließlich blieben sie die Jahre zuvor ja den Schanzen lieber fern.
SH: Den Abstand und die Zeit seit meinem Rücktritt habe ich einfach gebraucht. Als die Anfrage des ZDF kam habe ich mich auf die Aufgabe dann auch gefreut. Das hat mir gezeigt, dass es jetzt wieder geht.
Frage: Wie haben Sie die Diskussionen um den mittlerweile abgelösten Skisprung-Cheftrainer Peter Rohwein verfolgt?
SH: Eigentlich auch nur in den Medien. Es ist für einen Außenstehenden schwierig sich da ein faires Urteil zu erlauben. Kenne Peter als Co-Trainer, außerdem war er mein Coach Anfang der Neunziger im Nachwuchsbereich.
Frage: Mit Werner Schuster hat der DSV einen überraschenden Nachfolger präsentiert. Was halten Sie vom neuen Chefadler?
SH: Ich habe Werner Schuster im April getroffen und lange mit ihm gesprochen. Habe einen sehr guten Eindruck von ihm. Er ist sehr ruhig und besonnen. Das braucht ein Team, einen verlässlichen Ruhepool. Er weiß von was er redet, das untermauert auch seine Biografie. Anfänglich war ich auch überrascht über die Entscheidung, jetzt denke ich, dass er der richtige Mann ist für Deutschland!
Frage: Martin Schmitt und Sie wurden in den 90ern wie Popstars vergöttert. Erschreckend für Sie wie brutal die Popularität des Skispringens in den letzten Jahren abgenommen hat?
SH: Es ist auf jeden Fall nicht überraschend. Letztlich zählt allein die Leistung und die war in den letzten Jahren leider nicht vergleichbar mit der besten Zeit von Martin und mir. Sicherlich verfolge ich das mit einem weinen Auge, doch ich bin überzeugt davon, dass die Fans schnell wieder da wären, wenn die Erfolge zurückkommen würden, was ich sehr hoffe.
Frage: Mit Andreas Wank würde nach langer Zeit mal wieder ein deutscher Nachwuchsspringer Junioren-Weltmeister. Kann er in Ihre Fußstapfen treten?
SH: Ich selbst war ja nie Junioren-Weltmeister, also müsste er ja noch bessere Voraussetzungen haben.
Doch es müssen letztlich viele Mosaiksteine zusammengefügt werden um erfolgreich zu sein. Wichtig bei Andreas ist, dass er sich nicht auf dem JWM-Titel ausruht sondern weiter konsequent und zielstrebig trainiert. Zuzutrauen ist es ihm auf jeden Fall, aber er muss eben weiter arbeiten.
Frage: So hart arbeiten wie sie an Ihrer Fußball-Technik arbeiten?
SH: Da hat sich einige getan. Als ich in Berlin gewohnt habe bin ich ja regelmäßig zum Training bei einer Hobby-Mannschaft gegangen. Da konnte ich viel lernen und Fußball macht mir einfach mega viel Spaß!
Frage: Fußball also die große Leidenschaft von Sven Hannawald?
SH: Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich saumäßig auf das Spiel in Meppen!
Frage: Das Benefizspiel der Skispringer gegen die Behinderten hat eine große Tradition. Warum aber auch eine so große Bedeutung für Sie?
SH: Es ist doch toll sich für eine gute Sache einzusetzen von der Mann überzeugt ist. Die Förderung des Behindertensport liegt mir einfach am Herzen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie die Athleten mit ihrem Handicap umgehen und Leistungssport auf sehr hohem Niveau betreiben.
Frage: Sie waren bei neun von 10 Spielen mit dabei. Sind sie immer noch motiviert?
SH: Na klar! Es herrscht zwar zum einen immer eine lockere, freundschaftliche Atmposphäre. Auf dem Platz will aber jeder gewinnen und ist ehrgeizig. Das liebe ich!
Frage: Erstmals nicht dabei sein wird der im Dezember verstorbene Reinhard Heß. Er war stets ein großer Förderer des Spiels gegen die Behinderten Mannschaft.
SH: Ja, auch für Reinhard war die Partie eine Herzenssache. 2006 in Oberkirch (Baden) war er letztmals mit dabei, das waren bewegende Momente. Er war ja immer ein großer Sportsgeist. Bei den Spielen hat er auch immer Vollgas gegeben und wollte nie verlieren.
Frage: Letztes Jahr gab es dann tatsächlich die erste Niederlage, ausgerechnet im Jubiläumspiel bei der 10. Auflage.
SH: Diese Schmach gilt es in Meppen wieder auszumerzen! Hoffe, dass meine Ex-Kollegen in den letzten Wochen auch ab und zu Mal Fußball gespielt haben!
Frage: Letzte Frage: Was fällt Ihnen den ein zu Emsland und Meppen?
SH: Selbstverständlich der SV Meppen. Es war schon bemerkenswert, wie sich der Verein viele Jahre im Profifußballetabliert hatte und den einen oder anderen Großen geärgert hat.
Aber natürlich auch Josef Giesen. Er ist wirklich ein rissen Typ und bei den Spielen liefern wir uns regelmäßig harte Fights. Das musste mein Schienbein schon schmerzlich erfahren.
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