Von Jens Zimmermann (03.06.2008)
Nur noch wenige Tage bis zum Benefizspiel in Meppen und zum Auftakt der Fußball-EM. Wie groß ist das Fußballfieber schon?
Das passive ist sehr groß. Ich bin überzeugt davon, es wird eine klasse EM werden! Es gibt viele sehr gute Mannschaften, das Turnier ist von der Qualität her vielleicht sogar noch hochwertiger als bei WM, es wird sicher viele spannende Spiele geben.
Auch das aktive Fußballfieber ist sehr groß! Fußball habe ich immer mit großer Begeisterung gespielt. Leider hat meine Verletzung das die letzten Jahre verhindert.
Gibt es vielleicht in Meppen ein Comeback des Fußballers Michael Uhrmann?
Neulich habe ich beim Training in der Halle mal wieder etwas mitgespielt. Ich fühle mich eigentlich gut, würde gerne gerade beim Benefizspiel gegen die Behinderten mein Comeback geben. Nur das Schießen könnte ein Problem sein. Gerne werde ich versuchen mit Hilfe eines Tapes ein paar Minuten mitzuspielen, meine Kollegen müssen mich dann eben immer hoch anspielen oder die Bälle auf links legen (lacht).
Das Benefizspiel scheint ihnen ja wahnsinnig am Herzen zu liegen. Was ist das Besondere an diesem Spiel?
Absolut! Das Spiel erfüllt einen guten Zweck und ich freue mich immer wenn man die Leute der Behinderten-Nationalmannschaft trifft. Außerdem ist es eine schöne Abwechslung als Skispringer auch mal Fußball zu spielen, dann auch noch vor so vielen Zuschauern. Klar, der Spaß steht im Vordergrund und das Ergebnis ist egal. Bisher war es immer eine tolle Veranstaltung und das wird es sicherlich auch diesmal werden, davon bin ich überzeugt!
Überhaupt ist Fußball neben dem Skispringen ja ihre zweite sportliche Leidenschaft. Wem drücken Sie den in der Bundesliga die Daumen?
(Schmunzelt) Regional bedingt und das quasi von Kindesbeinen an, dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Ein fanatischer Fan bin ich nicht, auch kein so genannter Erfolgsfan, doch die Bayern sind eben mein Verein seit ich denken kann. Es freut mich, dass sie nächstes Jahr wieder Champions-League spielen. Leider habe ich viel zu wenig Zeit um auch ab und zu ins Stadion zu gehen. Meine Freizeit verbringe ich mittlerweile lieber mit meiner Familie.
Da haben sie ja das Glück den neuen Bayern-Keeper Jörg Butt kennen zu lernen!
Da freue ich mich auch drauf. Die letzten Jahre hatten wir ja auch immer prominente Unterstützung. Im vergangenen Jahr spielte Stefan Klos bei uns im Tor. Davor waren auch Dennis Eilhoff (jetzt Bielefeld, davor TuS Koblenz) und Sascha Samulewicz (Wuppertaler SV) mit dabei. Es ist echt lässig auch aktive Fußballer dabei zuhaben, da ist das ganze noch professioneller!
Sie wohnen ja unweit der österreichischen Grenze. Werden Sie auch zu einem Spiel der EM fahren?
Nein, zu einem Spiel werde ich nicht fahren. Doch wir haben im Rahmen der EM eine geniale Veranstaltung. Gemeinsam mit der österreichischen Nationalmannschaft der Skispringer werden wir uns das Spiel Österreich Deutschland beim Public Viewing am Berg Isel in Innsbruck anschauen. Das wird bestimmt sehr stimmungsvoll und...hoffentlich strengen sich Jogi’s Jungs in diesem Spiel ganz besonders an!
Was trauen Sie denn dem deutschen Team bei der Europameisterschaft zu?
Schwer zu sagen, es gibt viele Favoriten. Das Halbfinale auf jeden Fall drin. Für alles andere gehört auch Glück dazu und es entscheidet die Tagesform.
Zum Skispringen: Was trauen Sie sich denn im kommenden Sommer und Winter zu?
Man muss top fit sein um konstant in der Weltspitze springen zu können. Das war bei mir nach meiner Verletzung bei der Ski-WM in Sapporo 2007 nicht der Fall. Wichtig wird sein, dass ich jetzt athletisch meine Defizite aufhole. Wenn mir das gelingt, dann kommt der Erfolg von alleine. Schließlich war ich die Jahre vor meiner Verletzung immer konstant unter den Top 10.
Kann man schon große Unterschiede in der Arbeit der Trainer erkennen?
Das kann man mit einem klaren Ja beantworten. Sicherlich ist das derzeit noch schwer zu beschreiben, aber es ist einfach ein anderes arbeiten egal ob man ein älterer oder jüngerer Springer ist.
Jeder im Team weiß, es muss jetzt was passieren. Egal wer die letzten Jahre im Team dabei war, wir hatten keine Medaillenchance bei einer Mannschaftsentscheidung. Das muss nächstes Jahr wieder anders sein.
Im Moment ist das Training eine mit großer Detailarbeit, dennoch haben wir eine entspannte Stimmung ohne Druck und Stress. Es wird sehr akribisch gearbeitet, dennoch mit der passenden Lockerheit. Bislang arbeiten wir ausschließlich an technischen Abläufen, auf die man die letzten Jahre vielleicht nicht so viel Wert gelegt haben. Die anderen Nationen haben uns da überholt, das gilt es zu verbessern.
Trauen Sie sich zu im kommenden Jahr noch mal an die Form von 2006 und 2007 anknüpfen zu können?
Ja, hundertprozentig! Wie schon erwähnt wird es zunächst wichtig sein die Defizite aufholen. Sprungtechnisch kommt dann alles von allein. In der vergangenen Saison hatte ich verletzungsbedingt eine Vorbereitung wie ein Hobbysportler. Da hat man keine Chance, das habe ich bitter zu spüren bekommen.
Aber das Fernziel heißt Vancouver 2010, das wären dann ihre dritten Olympischen Spiele! Oder entscheiden Sie von Jahr zu Jahr?
Als ich in Japan im Krankenhaus lag war mir klar, das wird ein schwerer Weg. Doch ich wollte ihn unbedingt gehen und zurückkommen. In diesem Fall muss man dann auch bis 2010 denken um nicht die ganzen Mühen nur für ein Jahr auf sich genommen zu haben. 2002 gewann ich Gold mit der Mannschaft, 2006 war ich zweimal vierter, knapp an Bronze vorbei. Wenn ich mich 2010 mit einer Medaille verabschieden könnte, wäre das eine super Sache. Da wäre ich dann 31. Doch man soll ja nie sagen, vielleicht mache ich danach dann noch weiter, wenn es läuft und ich noch Spaß habe.
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