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Interview Werner Schuster


 


Von Jens Zimmermann (03.06.2008)

Wie fühlt man sich als österreichischer Entwicklungshelfer in Sachen Skispringen?

Das sehe ich nicht so eng, sondern sehr professionell. Mann muss auch immer über die Grenzen hinausschauen. Es ist immer schön, wenn man sein Wissen an Athleten weitergeben und sie zur nächsten Leistungsstufe führen kann. Das macht den Trainerjob aus meiner Sicht aus.

Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, nach nur einem Jahr den Cheftrainer Posten in der Schweiz wieder zu verlassen?

Emotional schon sehr schwer. Ich bin eher ein sehr bodenständiger Mensch der seine Ziele mit kleinen schritten verfolgt. Selbstverständlich wollte die gegenüber den schweizer Athleten gemachte mündliche Zusage einhalten, die Truppe bis zu den Olympischen Spielen 2010 zu begleiten. Manchmal kann man sich den Zeitpunkt im Leben aber nicht raussuchen und so habe ich das Angebot des Deutschen Skiverbandes angenommen. Mehr denn je bin ich davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war diese Herausforderung anzunehmen.

Was ist der besondere Reiz an der Aufgabe beim Deutschen Skiverband?

Deutschland ist vom Potential her eine Top-Nation in Sachen Skispringen. Die Voraussetzungen sind ideal. Es gibt genügend Trainingsmöglichkeiten, gute Anlagen, viele Stützpunkte. Wenn man jetzt die Kräfte bündelt ist einiges möglich und die Chance da in die Spitze zurückzukehren. Ziel ist es auch wieder mehr junge Sportler nach Oben zu bringen!

Warum sind die Österreicher den Deutschen in den vergangenen Jahren so enteilt?

Weil genau das in den letzten Jahren passiert ist. Es wurde mir viel Herzblut gearbeitet und viel und gut kommuniziert. Die Kräfte wurden gebündelt und mit einem erfolgreichen roten Faden am Technik- und Athletiktraining gearbeitet. Die Aufgabenverteilung innerhalb des Verbandes war klar und persönliche Eitelkeiten standen nicht im Vordergrund. Es ging einzig und allein darum, das österreichische Skispringen wieder ganz nach vorne zu bringen. Diese Stimmung braucht es um auch erfolgreich zu sein.

Wo sehen Sie die Reserven der deutschen Springer?

Das kann ich noch nicht beurteilen. Zunächst will ich mir alles erst anschauen und dann den richtigen Hebel ansetzen.

Wie wichtig ist beispielsweise der Junioren-WM-Titel von Andreas Wank im vergangenen Winter?

Es ist wichtig, im Jugendbereich vorne dabei zu sein. Es ist auch ein Qualitätsmerkmal, denn nur wenige die bei den Junioren gut sind, tauchen später im Weltcup nicht auf. Doch auch das hat es schon gegeben. Der Titel bei der Junioren-WM ist jedoch nur eine Zwischenstufe auf dem Weg nach oben

Auch für die nächsten Jahre ist es wichtig im Nachwuchsbereich Qualität heranzubilden und bereits in dieser Altersklasse vorne dabei zu sein.

Haben Sie viel geändert in Punkto Trainingssteuerung, -umfang und Trainingsschwerpunkte?

Derzeit noch nicht. Zunächst muss ich mir noch von vielen Dingen einen Eindruck verschaffen. Der erste Eindruck ist aber gut. Im konditionellen und im Kraft Bereich wurde auch die vergangenen Jahre bereits gut gearbeitet. Die Verbindung der Schwerpunkte und die Übergänge in Verbindung mit dem eigentlichen Skispringen ist nun wichtig. Außerdem wollen wir wieder ein echtes Wirgefühl aufbauen, verbunden mit dem festen Glauben an die eigene. Stärke.

Kann man bereits beim Sommer Grand-Prix die Handschrift von Werner Schuster erkennen?

Es wäre selbstverständlich schön, wenn wir bereits zu diesem Zeitpunkt wieder näher an der Weltspitze dran sind, doch wir wollen zunächst das Zeitfenster ausblenden. Es wurde auf allen Ebenen umstrukturiert. Neue Trainer, andere Lehrgangsgruppen, neue Lehrgänge. Das brauch auch etwas Zeit. Das bemerkenswerte ist die zu spürende Aufbruchstimmung. Alle müssen an das neue System glauben und konsequent arbeiten, dann wird der Erfolg nur eine Frage der Zeit sein.

Zum elften Mal nach 1997 findet nun das Benefizspiel gegen die Behinderten-Nationalmannschaft statt. Freuen Sie sich auf die Abwechslung im Trainingsalltag?

Ja, auf jeden Fall. Wir wollen einen schönen Tag im Emsland zusammen verbringen und unseren Teil zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist auch, dass das Spiel ein Mosaikstein in Sachen Teambildung ist. Nur als Mannschaft kann man beim Fußball erfolgreich sein.

Hatten Sie schon von den Spielen gehört und wie wichtig ist für sie soziales Engagement?

Sicher habe ich schon davon gehört, es ist ja auch in den vergangenen Jahren immer darüber berichtet worden.

Es ist sehr bemerkenswert, wie sich die Sportler hier für die gute Sache einsetzen und etwas von Ihrer Popularität zurückgeben. Der Aspekt „Sportler helfen Sportler“ ist hier besonders charmant! Leider ist es ja keine Selbstverständlichkeit, dass Menschen die auf der sogenannten Sonnenseite des Lebens stehen wieder etwas zurückgeben.

Am 7. Juni richten sich ja alle Augen in ihr Heimatland und in das ihres vorigen Arbeitgebers, die Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich.

Wem drücken Sie die Daumen? Österreich oder Deutschland?

Holland (lacht). Wir werden das Spiel Deutschland Österreich gemeinsam anschauen, das wird bestimmt ein witzige Sache. Ich schau schon gern Fußball, bin aber kein Fan der leidet. Der beste soll gewinnen.

Wer wird Europameister?

Holland. Bin schon immer großer Marco van Basten Fan. Er war ein begnadeter Fußballer und ich gönne ihm jetzt auch den Erfolg als Trainer.

Vielen Dank und alles Gute für die neue, spannende Aufgabe in Deutschland!

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