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Viel gegeben, aber noch mehr zurückbekommen:

 


Erwin Teufel schlug ihn vor, Johannes Rau stimmte zu. Der Bundespräsident hat Rolf Hettich die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Im Rahmen einer Feierstunde im Backnanger Rathaus überreichte Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper die Urkunde und steckte Hettich den hohen Orden ans Revers.


Foto: E. Layher

VON STEFFEN GRÜN

"Es ist eine gute alte Tradition, verdiente Persönlichkeiten durch staatliche Auszeichnungen zu ehren", sagte Nopper und erinnerte an den ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, der den Orden im September 1951 gestiftet hatte. Seitdem wurden viele Menschen geehrt, die sich lange Jahre im sozialen Bereich, in der Kommunalpolitik oder im Sport engagiert haben.

Bei Hettich ist es der Einsatz für die Nationalmannschaft Ski Nordisch des Behindertensportverbandes. Seit 1979 ist der Backnanger für das Team verantwortlich. Von 1980 bis 1996 als Chef-Trainer, seitdem als Co-Trainer. "Mit ihrem Einsatz haben Sie den körper- und sehbehinderten Sportlern geholfen, ihre innere Stabilität und Identität zu festigen", sagte Nopper. Ein Ehrenamt, das für Hettich stets nicht nur Arbeit bedeutete. "Ich habe viel gegeben, aber noch mehr zurückbekommen", betont der 46-Jährige. In Form von Dankbarkeit der Athleten oder in Form von vielen neuen Freundschaften. So verwundert es nicht, dass im Rathaus zahlreiche Wegbegleiter anwesend sind. Ex-Schützling Axel Hecker ist extra aus Köln angereist.

Selbstverständlich ist es daher für Hettich, folgendes festzuhalten: Die Verdienstmedaille sei "auch eine Auszeichnung für den Behindertensport". Zudem müsse er seiner Familie danken, die ihn stets unterstütze. Ohne dieses Verständnis wäre vieles unmöglich, denn der Job im Trainerstab der Nationalmannschaft ist zeitintensiv. Auch, weil Hettich ihn mit Ehrgeiz ausübt. Schon anfangs, als er begann junge Behinderte fürs Team zu gewinnen, das fast nur aus Kriegsversehrten bestanden hatte.

Dann baute der Backnanger einen Betreuerstab auf und führte die nordischen Wintersportler bei den Weltwinterspielen, ab 1992 bei den Paralympics, zu Erfolgen. Immer belegten die Deutschen die Plätze eins oder zwei der Nationenwertung. In Albertville 1992, in Lillehammer 1994 ("Das war für mich der Höhepunkt: Ich war Cheftrainer, wir waren erfolgreich, das Zuschauer- und Medieninteresse war groß."), in Nagano 1998 oder in Salt Lake City 2002. Aber auch bei Welt- und Europameisterschaften. Zudem initiierten Hettich und seine Mitstreiter eine revolutionäre Regeländerung: Seit 1993 wird der Grad der Behinderung in Form von Zeitgutschriften berücksichtigt. Negativ-Erlebnisse verdrängt Hettich auch nicht: Da war die Doping-Affäre im deutschen Team in Salt Lake City oder sein Darmverschluss mit folgender Notoperation bei der WM in Baiersbronn 2003. Trotzdem sind die Paralympics in Turin 2006 sein Ziel.

Etwas überrascht sei er gewesen, gesteht Hettich, als ihm OB Nopper mitgeteilt habe, dass er die Medaille bekomme. "Ich bin doch eigentlich viel zu jung dafür", habe er gedacht. Es liege aber wohl daran, "dass ich schon früh ehrenamtlich aktiv wurde". Nun sei er stolz, so Hettich. Doch er bleibt bescheiden: "Ich bin baff, dass so ein Aufwand für mich gemacht wird", sagte er bei der Verleihung. Irgendwie typisch für ihn.


(www.bkz-online.de - Onlinedienst Backnanger Kreiszeitung 27.03.2004)

 


  
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