| Tagebuch vom 08.11.2005:
Nun hat meine letzte Woche hier begonnen, so es nach der ursprünglichen Planung geht. Leider ist die Schneesituation nicht so, dass ich das vermute. Jetzt beginnt sie wohl wider, die Zeit in der man auf die Suche nach dem Schnee gehen muss. Hoffentlich habe ich damit bei meinem zweiten Trainingslager, das ich im Dezember und Januar in Livigno vorgesehen habe, Glück mit dem begehrten Weiß. Vorerst bleibt da nur das Prinzip „Hoffnung“. Solange die Südströmung, die zur Zeit in Skandinavien herrscht, anhält ist nicht mit Schnee zu rechnen. Der Wetterbericht gibt an, dass momentan die Temperaturen in ganz Schweden 4°C über den Normalwerten liegen.
Da dieses wohl mein vorerst letzter Teil des Tagebuches sein wird, möchte ich nun nochmals auf die Ernährung zurückkommen. Nachdem ich schon über Müsli und Haferflocken berichtet habe, komme ich jetzt zu meinen Hauptspeisen.
Beim Zubereiten meiner Hauptgerichte habe ich besonders darauf geachtet, dass sie ausreichen Kohlehydrate, Vitamine und Ballaststoffe enthalten. Des weiteren wollte ich auch möglichst viele typische regionale Zutaten verwenden. Ich habe nun zwei Beispiele herausgesucht, die nicht all zu spezielle schwedische Zutaten enthalten. So könnt ihr auch in Deutschland das nachkochen. Ich habe auch Blutpudding und Braune Bohnen gekocht, aber das bekommt man in Deutschland halt nicht.
Hier also nun zwei Rezepte von Speisen, die ich mir hier in Schweden schmecken lies.
Krabbensauce mit Makkaroni
Zutaten:
¨ 1 Zwiebel fein gewürfelt
¨ 3 El Öl
¨ 3 El Mehl
¨ 400 ml Wasser
¨ Salz
¨ Pfeffer
¨ Knoblauch
¨ 100 ml Sahne
¨ 200 g Krabben
¨ 150 g Makkaroni
Zubereitung:
Die Zwiebel im Öl andünsten. Das Mehl einrühren und leicht anschwitzen lassen. Die Sauce mit dem Wasser ablöschen. Mit Salz, Pfeffer und Knoblauch (Menge je nach Geschmack) würzen. 15 Minuten, unter regelmäßigem Umrühren, kochen lassen.Die Krabben einrühren und 5 Minuten mitköcheln lassen.Die Sahne und die, in Salzwasser gekochten, Makkaroni zugeben, und weitere 5 Minuten ziehen lassen.
Dazu gab es reichlich frischen Salat.
Reisauflauf mit Ruccola, Champignon & Tomaten
Zutaten:
¨ 150 ml Wasser
¨ 1 Zwiebel grob gewürfelt
¨ 2 Tl Salz
¨ 150 g Reis
¨ 250 g Champignon in Scheiben
¨ 70 g Ruccola
¨ 200 g Feta gewürfelt
¨ 2 Tomatem in Scheiben
¨ 3 Eier
¨ 3 El Gräddfil (oder saure Sahne)
Zubereitung:
Zwiebel und Reis in Salzwasser 20 Minuten kochen. Champignon, Ruccola & Feta unter den Reis geben, und die Mischung in eine Auflaufform füllen. Die Tomatenscheiben darauf auslegen. Den Auflauf mit einer Mischung aus den Eiern mit der Gräddfil, die mit Salz, Pfeffer oder Cilly gewürzt wurde, übergießen. Im auf 180°C vorgeheizten Ofen 50 Minuten, bei Unterhitze, backen.Nun wüsche ich allen viel Spaß beim Kochen und einen Guten Appetit. Es grüßt herzlich, der mitten in der Paralymicsvorbereitung stehende,
Michael Weymann
Tagebuch vom 02.11.2005:
Eine turbulente Woche, was das Wetter betrifft, liegt hinter mir. Nachdem ich am Montag noch bei Sonnenschein mit den Skiern unterwegs war, setzte am Dienstag ein Schneesturm ein. Bei Temperaturen von um die 6°C rieselte sehr feiner Schnee vom Himmel. Dazu setzte ein immer stärker werdender Wind ein. Dieses Wetter hielt den gesamten Dienstag an. Am Mittwoch hielt der Schneefall an, jedoch hatte der Wind sich beruhigt.
Der Donnerstagmorgen brachte ein wenig Sonnenschein, durch dünne Schleierwolken. Nach dem Frühstück machte ich mich mit dem Auto auf, um eine Stelle zu finden wo man Skilaufen konnte. Wie ich es mir gedacht hatte, war keine der Loipen gespurt. Die besten Bedingungen hätte man auf der Hauptstraße gehabt. Dort war durch die Autos der Schnee gut festgefahren. Von dieser Möglichkeit wollte ich allerdings keinen Gebrauch machen. Aber auch die Straßen in der Nähe von meinem Haus sahen ganz gut geeignet aus. Deswegen fuhr ich einfach wieder zurück und startete eine Tour vom Haus. Zuerst ging es bergauf, wobei ich mir jeden Seitenweg und die Häuser dort anschaute. Am Ende oben angelangt ging es, vom Haus gesehen, nach unten. Gleich zweihundert Meter unterhalb meines Hauses ist ein Parkplatz für Loipen. Dort stellte ich fest, dass auf einer der Loipen Skooterspuren waren. Diesen folgte ich einfach mal. Sie führten mich, auf der Trasse der Loipe, durch einen schön verschneiten, lichten Wald. Die Skooterspuren waren auch so gut, dass man dort gut laufen konnte. So konnte ich eine gute Trainingseinheit auf Schnee absolvieren.
Im Laufe der Nach wurde es immer wärmer und feuchter. Bei 1,5°C und Nebel taute es kräftig. Schnell war die ca. 25 cm dicke Schneedecke zusammengesackt. Zu dem Nebel kam dann auch noch Wind dazu, der die Temperatur immer weiter ansteigen lies. Am Samstagmorgen gab es nur noch vereinzelte Weiße Flecken in der Landschaft. Bei um die +6°C und Regen verschwanden auch diese sehr schnell. Dieses feucht und „warme“ Wetter hielt bis heute an. Leider gibt auch der langfristige Wetterbericht kein Grund zu Hoffnung auf neuen Schnee.
Da der letzte Wetterwechsel auch sehr plötzlich kam, gebe ich die Hoffnung nicht auf bald wieder auf Schnee trainieren zu können.
Dies ist nun der 10. Teil meines Tagebuches zur Paralympicsvorbereitung. Deswegen fände ich es schön, wenn Leserinnen und Leser mir eine Rückmeldung geben würden, wie ihnen meine Aufzeichnungen gefallen. Es wäre für mich auch deswegen wichtig, um zu entscheiden ob ich das Tagebuch, auch nach meiner Zeit in Schweden, fortsetzen soll. Ihr könnt dazu das Gästebuch dieser Internetseite benutzen. Ich würde mich sehr freuen möglichst viele Meinungen dort lesen zu können.
Also jetzt wäre es schön wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser, aktiv werden würdet. Auch ich werde weiter mich bemühen mich Euch weiterhin Neuigkeiten mitzuteilen.
Beste Grüße aus Schweden,
Michael Weymann
Tagebuch vom 24.10.2005:
Heute schreibe ich den 24.10.05 und ich bin gerade von meiner ersten Trainingseinheit auf Schnee zurückgekommen.
Seit Freitag hat der Winter Einzug gehalten. Der erste Schnee fiel. Am Morgen hatte sich ein weißer Schleier über die Landschaft gelegt.
Am Samstag und Sonntag, während ich im Fernsehen den Langlauf-Weltcup in Düsseldorf anschaute, hielt der Schneefall an. Allerdings war es ein typisch skandinavisches Wetter. Der Schnee war sehr sehr fein, so dass keine große Masse zusammenkam. Am Ende hatte es eine Schneedecke von gut 15 cm. In der Nacht zum Montag wurde es dann sehr kalt. Das Thermometer zeigte ein Minimum von 13.4°C.
Sonnenschein und blauer Himmel begleitete mich, als ich auf die Suche nach einer Möglichkeit zum Langlaufen ging. An der ersten Stelle, bei einem Parkplatz nahe meines Hauses an dem Loipen starten, musste ich feststellen, dass nicht gespurt war. Ich versuchte auf der ungespurten Loipe loszulegen. Nach einigen hundert Meter musste ich aber einsehen, dass der Untergrund zu uneben beziehungsweise die Schneedecke zu dünn war.
Also wieder ins Auto und auf zum nächsten Versuch. Dort sah es schon besser aus. Gespurt war zwar dort auch nicht, aber auf dem gefrorenen Hochmoor braucht es nicht so viel Schnee, um Laufen zu können. Auf einem Weg, den ich vor einigen Wochen als Sonntagsspaziergang gegangen war, fand ich auch einige Spuren von „Vorgängern“. Ich folgte den Spuren, die dann aber an einem Klohäuschen, das dort mitten in der einsamen Landschaft aufgestellt ist, endeten. Bei schönstem Sonnenschein alleine in der wilden, schneebedeckten und fast baumlosen Landschaft unterwegs zu sein ist schon ein tolles Gefühl. Weiter entlang der Roten Kreuze, welche die Wegmarkierung darstellen, bewegte ich mich durch den noch unberührten Schnee. Das ganze war zwar etwas holprig, da Löcher oder Spalten durch den Schnee oft nicht rechtzeitig zu erkennen sind. Auch die Skier litten unter den von Pulverschnee verdecken Steinen beträchtlich. Natürlich hatte ich mich auf eine solche Situation vorbereitet. Dementsprechend hatte ich schon zuhause alte Bretter eingepackt, die ich heute auch benutzte. Nun haben sie einen unkonventionellen, „natürlichen“ Steinschliff bekommen.
1½ Stunden war ich unterwegs, dann war es auch genug für heute. Das selbständige legen der Spur und das häufige ausgleichen von Unebenheiten hatte ganz schön Kraft gekostet. Insgesamt war die Trainingstour ein schönes Naturerlebnis und eine gelungene erste Schneegewöhnung. So früh in der Saison habe ich noch nie auf Schnee trainiert. Auch hier zeigte sich mir, dass die Entscheidung hier her zu gehen richtig war.
Nun heißt es abzuwarten was das Wetter der kommenden Tage für mich bereit hält. Der Wetterbericht hat für die nächsten zwei Tage noch mehr Schneefall gemeldet. Allerdings sagen sie für Ende der Woche auch wieder Temperaturen bis 10°C an.
Ich muss es nehmen wie es kommt. Die Hoffung, dass zumindest der Schnee auf dem Fjell hält, gebe ich aber nicht auf.
Aus den Winter in Schweden grüßt alle Leserinnen und Leser.
Michael Weymann
Tagebuch vom 19.10.2005:
Heute möchte ich mit einem Nachtrag zum letzten Teil des Tagebuches beginnen. Ich habe es versäumt das Rezept für Gröt beizufügen. Das möchte ich nun nachholen, damit alle Interessierten es auch in Deutschland genießen können.
Zu einem Deziliter Haferflocken kommen 2 ½ Deziliter Wasser und eine Prise Salz. Das Ganze wird mindestens 3 Minuten gekocht. Die Kochzeit kann bis zu 10 Minuten verlängert werden, um eine sämigere Konsistenz zu erhalten.
Nun also viel Spaß beim Nachkochen des Gerichtes, von dem man in Schweden sagt, dass es ernorm stärkende Wirkung haben soll.
Mein Training hier läuft ganz nach Plan. So habe ich, mit Ende der letzten Woche, meine zweiten Trainingszyklus abgeschlossen. Mein Körper ist nun sehr froh, dass nun in dieser Woche die Trainingsumfänge wieder geringer sind. Nach dem umfangreichen Training der letzten Woche, war ich schon ganz schön müde. Auch für dem Mentalen Bereich ist es angenehm sich mal wieder mit anderen Dingen zu beschäftigen, als nur mit Training.
Es bleibt nun noch der dritte, und hier in Lofsdalen letzte, Trainingszyklus bevor es zum Mannschaftstrainingslager nach Norwegen geht. In dieser Phase werde ich nun die Trainingsintensität noch etwas erhöhen, da die Wettkampphase merklich näher rückt. Es ist mir, mit dem bisherigen Training, gelungen eine hervorragende Grundlage für den Aufbau der Wettkampfform zu legen. Nun, da es noch ungefähr acht Wochen bis zum ersten Weltcup sind, gilt es auch langsam die Intensität zu erhöhen.
Der eigentliche Saisonhöhepunkt, die Paralympics im März 2006, ist noch recht weit entfernt. Jedoch möchte zu den Rennen im Dezember schon eine erste Formspitze erreichen. Danach soll dann nochmaliges Ausdauertraining mit darauffolgendem Aufbau einer optimalen Wettkampfform folgen.
In meinem Kopf steht das Konzept. Mit entsprechender Umsetzung hoffe ich meine Ziele erreichen zu können.
Bei den langen Ausdauereinheiten hat man sehr viel Zeit darüber nachzudenken, „was wäre wenn“. An einem Tag fühlt man sich stark, und hat nicht den geringsten Zweifel, dass sich die Anstrengungen auszahlen. Am darauffolgenden Tag kann sich das Ganze aber auch genau ins Gegenteil verkehren. Ich erlebe hier solche und solche Tage. Den Mut und die Zuversicht habe ich nicht verloren. Es gelingt mir, mit dem Gedanken an diejenigen die an mich glauben, immer wieder mich neu zu motivieren. Gedanken an die Menschen, die mir den Erfolg nicht zutrauen, versuche ich zu verdrängen. Das gelingt mir zu meinem Leidwesen aber nicht immer.
Soweit einiges zu meiner weiteren Planung und meiner Motivation.
Bis zum nächsten Mal grüße ich alle Leserinnen und Leser aufs Herzlichste aus dem nun frostigen Schweden.
Michael Weymann
Tagebuch vom 10.10.2005:
Wie ich schon einmal versprochen hatte, möchte ich meine Leserinnen und Leser auch gerne etwas über meine Ernährung hier erzählen. Heute gehe ich erst einmal auf die typische Sportlerernährung, Haferflocken und Müsli, ein. Das zählt natürlich auch zu meiner bevorzugten Gerichte hier in Schweden.
Zum Frühstück versorge ich mich jeden Tag mit einer reichlichen Portion Müsli. Dazu richte ich mir am Vortag das Obst dazu her. Bei der Auswahl des Obstes achte ich darauf, dass ich meinem Körper möglichst viel Vitamin C zukommen lasse. Deswegen gebe ich zum dem kleingeschnittenen Obst immer auch Zitronensaft dazu. Das hatte auch den positiven Effekt, dass die Obststücke frischer blieben. Meist besteht das Obst, das ich über Nacht im Kühlschrank marinieren lasse, aus einer Banane und einer anderen Frucht. Das können Äpfel, Birnen, Nektarinen, Orangen oder Kiwi sein. Bei den Kiwi ist besonders darauf zu achten, dass sie reichlich mit Zitronensaft gemischt werden. Ansonsten entwickeln sie, wenn sie mit einem Milchprodukt in Kontakt kommen, einen unangenehmen bitteren Geschmack.
Es ist deswegen wichtig für mich immer eine gut gefüllte Obstschale in der Küche stehen zu haben. Bei der Menge an Obst, die ich in dem kleinen Laden in Lofsdalen jedes Mal heraustrage, denkt die Frau an der Kasse wohl, dass ich eine ganze Familie zu ernähren habe.
Am Morgen nehme ich dann das Obst aus dem Kühlschrank und mischte es erst einmal mit 3 Esslöffel Haferflocken. Damit das Müsli nicht zu kalt ist, gieße ich dann etwas heißes Wasser dazu. Man kann alternativ natürlich auch warme Milch verwenden. Den Aufwand, Milch aufzuwärmen, mache ich mir am frühen Morgen nicht.
Dazu kommen dann noch ca. 3 Deziliter einer Müslimischung. Meine favorisierte Mischung ist Trauben-Nuss. Die Rosinen geben einen sehr feinen Geschmack, und Nüsse machen das Ganze knackiger.
Nun gebe ich noch Filmjölk zu der Mischung. Ein Produkt, das es in Deutschland leider nicht gibt. Als Alternative kann man da nur eine Mischung aus Joghurt und Milch verwende. Es ist jedem selbst überlassen, wie viel Milch noch zugegeben wird. Das hängt davon ab, wie fest oder flüssig man es gerne mag.
Neben den Frühstücksmüsli gibt es auch häufig Haferflocken mit Obst zum Abendessen. Dabei können die Haferflocken direkt mit den geschnittenen Früchten gemischt werden. Eine andere Alternative besteht darin einen Haferbrei, in Schweden Gröt genannt, zu kochen. Dazu werden die Haferflocken mit Wasser und etwas Salz kurz aufgekocht. Das Rezept dazu findet sich hier auf jeder Haferflockenpackung. Die Dauer des Kochens hängt davon ab, welche Konsistenz man bevorzugt. Dann wird das Obst erst in der Müslischale zu dem noch warmen Brei gegeben. Außer Obst kann man auch „Fruchtsaft“ oder „Fruchtcreme“ zum Gröt essen, die man hier in jedem Laden findet. So gibt es die gut bekannt Blaubeersopa (Blaubeersaft), Nyponsopa (Hagebuttensaft), Hallonkräm (eine Art Himbeersauce) Jordgubbsgräm (Erdbeercreme) und auch verschiedenste andere Mischungen. Gut schmeckt auch eine Vanillesauce dazu. Natürlich kann man zu dem noch kochenden Gröt auch Rosinen, kleingeschnittene Bananen, Äpfel oder andere Früchte zugeben, was auch sehr fein schmeckt.
Wenn ich die Haferflocken „kalt“ zu dem Obst mische, dann lasse ich diese beiden Zutaten gut durchziehen, bevor ich Milchprodukte dazugebe. Dabei schmeckt mir besonders gut, wenn ich etwas körnigen Frischkäse einmische. Ansonsten kommt natürlich die herrliche Filmjölk dazu. Eventuell auch noch etwas normale Milch, um das ganze etwas zu verflüssigen. Gesüßt wird das Ganze, wenn es auf Grund der Obstauswahl notwendig ist, mit Ahornsirup. In vereinzelten Fällen kann auch Vanillezucker hervorragend passen.
Zum guten Schluss kommen meist noch einige angeröstete Sonnenblumenkerne dazu.
Wie lange man die Haferflocken mit all den Zutaten durchziehen läst, das ist ganz dem Wunsch des einzelnen Genießers überlassen. Je länger die Schüssel stehen gelassen wird, um so breiiger werden die Haferflocken.
Nun ist es an Euch die Anregungen aufzunehmen, und das Eine oder Andere auszuprobieren.
Ich wünsche auf alle Fälle Guten Appetit, auch wenn es bei Euch heute Abend ein anderes Essen gibt.
Ideen zu Hauptgerichten gibt es zu einer anderen Zeit.
Bis zum nächsten Mal, grüßt aus dem Land der Fjelle,
Michael Weymann
Tagebuch vom 03.10.2005:
Heute möchte ich ein wenig über mein Training berichten. Einerseits über den Ablauf, andererseits auch über die Psychologie des Trainings.
Wenn ich morgens zum Training aufbreche analysiere ich zuerst die Temperatur. Dazu habe ich gleich beim Frühsport Gelegenheit. Dementsprechend suche ich mir meine Kleider zusammen. Dann geht es zur Garderobe. Dort habe ich alle möglichen Trainingutensilien hinsortiert. Es gilt die richtigen Einzelteile für das entsprechende Training herauszusuchen. Pulsmesser, Tachometer, Skistöcke und vieles mehr steht dort. Eventuell muss auch der Rollstuhl für das Training mit Skistöcken umgebaut werden. Danach geht es los. Entweder ich fahre ein Stück mit dem Auto, das ist meist der Fall wenn ich mit dem Handbike trainiere. Ansonsten kann ich auch direkt vom Haus starten.
Nun ist es hier nicht besonders eben. Meisten gehen die Trainingsstrecke bergauf und bergab. Zudem ist es meist notwendig, was ich schon einmal erwähnt habe, dass man die selbe Strecke wieder zurückfährt. Die Gegend hier ist so weitläufig, dass Rundstrecken ungeheuer lang wären. Daraus ergibt sich eine ganz besondere Situation für die Trainingspsychologie.
Geht es zu Anfang bergauf, dann weiß ich, dass der Rückweg leichter wird. Das ist zwar eigentlich ganz schön. Wenn man eine festgelegte Trainingsintensität einhalten möchte kann das aber auch problematisch sein. Im Umgekehrten Fall ist diese Problematik natürlich ebenfalls vorhanden. So kam es auch schon vor, dass ich umgedreht bin als der Hinweg zulange ständig bergab ging.
Inzwischen kenne ich so einige Strecken hier, die ich schon häufiger beim Training befahren habe. Deswegen ist es mir jetzt möglich bei der Planung schon auf Steigungen oder Gefälle Rücksicht zu nehmen. Mit dem Handbike ist es zudem möglich, durch die Wahl der entsprechenden Gänge, die Intensität des Trainings zu steuern.
Wenn ich dann zuhause zurück bin, folgt als erstes die angenehme warme Dusche. Dann gibt es was zu essen, um den Kohlehydrathaushalt aufzufüllen. Zur Zeit genieße ich gerade das Vollkornbrot, dass ich mir letztes Wochenende gebacken habe. Meist ruft mich danach die gemütliche Couch, um mich auf ihr eine Weile auszustrecken. Dabei muss ich höllisch aufpassen, dass mich der Schlaf nicht übermannt. Denn ansonsten befindet sich mein Kreislauf im Keller, und das ist nicht besonders hilfreich für die zweite Trainingseinheit, die zumeist noch auf dem Programm steht.
So geht es für mich Tag für Tag, um in einigen Monaten die Optimalform zu erreichen. Das Ziel, die Paralympics in Turin, nie aus den Augen verlierend.
Nun grüße ich alle aus Schweden, nach einem wiedereinmal ausgefüllten Trainingstag. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, dass sie auch ihre eigenen Ziele fest im Auge behalten.
Ich melde mich sicher bald wieder.
Michael Weymann
Tagebuch vom 27.09.2005:
In der letzten Woche hatte ich noch einmal sehr viel Glück mit dem Wetter. Etliche Sonnenstunden machten die Trainingsfahrten zu farbenfrohen Erlebnissen. Es blies aber meist ein kräftiger Wind, der auch so langsam in der Natur seine Spuren hinterlassen hat. Nun gibt es schon die ersten Birken, die ohne Blätter dastehen. Die prächtige Phase des Herbstes scheint sich langsam dem Ende zu nähern.
Die Kontaktperson der Firma Inter-Chalet, die mir das Haus hier freundlicherweise zu einem speziell verhandelten Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt hat, machte eine Journalistin auf mich aufmerksam. Sie kam mich für ein Interview besuchen. Dadurch wurde auch der Chef der hiesigen Touristeninformation auf mich aufmerksam, mit dem ich daraufhin ein längeres Gespräch führte. Immer wieder tauchte bei den Unterhaltungen, mit der Journalistin sowie den Tourismuschef, die Frage auf, wie ich damit zurechtkomme alleine zu trainieren. Ich bin es zwar seit je her gewohnt für mich selbst zu trainieren. Die Gespräche regten mich aber dazu an, einmal genauer darüber nachzudenken, wie ich mit dieser Situation umgehe.
Dabei stellte ich fest, dass ich während der einzelnen Trainingeinheiten immer von „virtuellen Trainern“ begleitet werde. Diese wechseln dann auch von Situation zu Situation. Es sind meist Bilder der Trainer, die meinen sportlichen Weg in den letzten Jahren begleitet haben. Manchmal fordern sie mich auf intensiver zu trainieren, dann sind es meist die fordernden Trainertypen, die mir erscheinen. Das können dann auch Bilder, die sich nicht auf reale Personen beziehen, sein. In dem Computerspiel „Skispringen“ gibt es beispielweise solche Abbildungen von Trainern. Manchmal denke ich auch an andere Sportler, die darauf setzen sehr hart zutrainieren, und die Aufforderung es ihnen gleichzutun mir dann, während meines Trainings mitteilen. Es gibt natürlich auch die Augenblicke, wo die eher sanfteren und einfühlsamen Trainertypen eingreifen. Diese zügeln dann, wenn die Gefahr besteht zu intensiv zu trainieren. Schwierig ist es die richtige Balance zwischen den verschiedenen Fronten zu finden. Denn mir ist durchaus bewusst, dass dabei das Risiko sich selbst zu Bescheißen vorhanden ist. Wenn man mal kein so großen Bock hat, kann man ja schnell einen passenden Trainer herzaubern, der einem dann sagt: „Komm lass es gut sein, für heute ist es genug.“. Ich hoffe erstens, dass das Bewusstsein dieses Risikos mich nicht in diese Falle tappen lässt. Schließlich habe ich auch einen Wochenplan, der mir als Rahmen dient. Zweites glaube ich daran, dass ich mit den Jahren eine Intuition für meinen Körper entwickelt habe, der ich Vertrauen schenken kann.
Wichtig sind die Vorstellungen von Trainern nicht nur für die Intensität von Trainingseinheiten. Entscheinender ist vielleicht die Kontrolle von Technik und der richtigen Ausführung von Kraftübungen. Hier hilft das „virtuelle Trainerteam“ mir immer wieder die Konzentration auf die Art und Weise der Durchführung von Trainingseinheiten zu lenken.
So nutze ich die Zeit hier in Schweden auch, um mir Dinge ins Bewusstsein zu rufen, für die man im alltäglichen Allerlei keine Ruhe findet. Es tut gut diese Möglichkeit zu haben. Diese Reflektion kann mir, so hoffe ich, auch in vielen Situationen weiterhelfen, die während der kommenden Saison auf mich zukommen werden. Eine gute Selbstwahrnehmung soll ja einer der Schlüssel sein, um mit Stresssituationen besser umgehen zu können.
Dieses Mal bezog sich mein Bericht mehr auf mein Innenleben als auf die Umgebung und ihre Besonderheiten. Ich hoffe, dass auch dieses das Interesse der Leserinnen und Leser findet.
Allen wünsche ich eine gute Zeit, bis ich mich wieder aus Lofsdalen melden kann.
Michael Weymann
Tagebuch vom 20.09.2005:
Nun steht in Deutschland also die Bundestagswahl an. Auch ich habe gewählt. Schon bevor meiner Abreise hatte ich bei der Gemeinde Briefwahl beantragt und meine Adresse, hier in Schweden, hinterlassen. In der Touristeninformation wird hier die Post, sortiert nach dem Alphabet, gelagert. Dort fand ich dann letzte Woche einen Umschlag für mich, auf dem Aufgedruckt war „Wichtige Wahlunterlagen“. Kurzerhand erkur ich einen Picknicktisch im Ortszentrum von Lofsdalen zu meinem Wahllokal. Einziges Problem dabei war, dass ich höllisch aufpassen musste damit nicht der Wind meine Wahlunterlagen mir entwendete. Nun sind wir natürlich alle auf das Ergebnis der Wahl gespannt. Ich werde am Wahlabend mich im Deutschlandradio auf Mittelwelle über den Wahlausgang informieren.
Es ist Jagdzeit hier, das habe ich auch schon letzte Woche festgestellt, als ich zum Training unterwegs war. Dort saßen etliche Jäger auf Hochsitzen, die entlang der Straße aufgestellt sind. Auch habe ich schon ab und zu Schüsse gehört, wenn ich auf der Terrasse gesessen bin. Nun waren auf meinem Weg wieder einige Jäger unterwegs. Zuerst sah ich nur Autos, die am Rand des Weges abgestellt waren. Ein Stück weiter standen wieder zwei Autos und daneben saß ein Hund. Ein wunderschönes Tier. Ich habe zwar keine Ahnung von Hunderassen, aber für mich sah er aus wie eine Mischung aus einem Schäferhund und einem Husky. Sein wunderschönes Fell war silbergrau mit schwarzen Flecken. Als ich mich näherte erhob er sich und kam in Richtung des Weges. Ich verringerte mein Tempo, da auch kein Mensch weit und breit zu sehen war. Ohne das geringste Bellen kam der Hund an den Weg, ließ mich aber problemlos vorbeifahren. Als ich auf dem Rückweg wieder bei ihm vorbeikam, erkannte er mich wohl wieder, und blieb seelenruhig neben den Autos liegen. Einige Kilometer weiter fuhr ich dann an einem Jäger vorbei, der auf einem Stein saß und sein Gewehr neben sich gelehnt hatte. Als ich dann wenig später auf einen weiteren Hund traf war mein Weg, in diese Richtung beendet. Er stand mitten auf dem Weg und bellte mich kräftig an. Die Hinterbeine gespreizt die Vorderen dicht nebeneinander, zeigte er sich zum Angriff bereit. Ich dachte mir, „Der Klügere gibt nach“, drehte etwa 100 Meter vor ihm und trat den Rückweg an. Auch solche Erlebnisse kann man beim Training in der einsamen Natur hier in Schweden erleben. Da ist es wichtig, dass man flexibel bleibt.
Was das Wetter hier betrifft, habe ich bisher viel Glück gehabt. Nur zwei Mal bin ich beim Training in Nieselregen geraten. Ansonsten blieb es immer trocken. Die Temperaturen sinken allerdings nun merklich. Schon drei Nächte hatten wir nun Nachtfrost. Allerdings wird es sicher noch einige Wochen dauern, bis es den von mir ersehnten Schnee geben wird.
Mein Tagesablauf hier hat sich zu einem steten Rhythmus stabilisiert. Gegen 7 Uhr stehe ich auf. Zuerst mache ich mich an die Zubereitung des Frühstückmüslis und koche mir Kaffee. Dann geht es nach Draußen, zu dem täglichen Frühsport. Zum Frühstück lasse ich mir gerne Zeit und lese in einem Buch. Im Moment lese ich gerade „Emotionale Führung“ von Daniel Goleman, eine Lektüre welche für manche Sportler, Trainer und besonders Funktionäre empfehlenswert wäre. Etwa um 9 Uhr geht es dann los zur ersten Trainingseinheit. Zurück zuhause gibt es eine kleine Mittagsmalzeit, die meistens aus Brot mit Wurst, Käse oder Marmelade besteht. Oft gönne ich mir dann ein Stündchen Ruhepause auf der Couch oder, wenn die Sonne scheint, auch auf der Terrasse. Dann ist meist die Hausarbeit an der Reihe, bevor am späten Nachmittag meist eine zweite Trainingseinheit folgt. Nur wenn die Vormittagseinheit sehr lange gedauert hat, verzichte ich im Moment noch auf eine zweite Trainingseinheit. Es folgt die Zubereitung und dann der Genuss des Abendessens. Abends ist die Zeit zum Entspannen und zu Konzentrations- und Anschlagsübungen, für das Biathlon. Mir wird es hier also auf gar keinen Fall langweilig.
Ich hoffe, dass ich wieder ein paar interessante Informationen für meine Leser hatte.
Allen Leserinnen und Lesern alles Gute und viele Grüße aus Skandinavien,
Michael Weymann
Tagebuch vom 06.09.2005:
Auch in meiner zweiten Woche hatte ich hervorragendes Wetter. Außer an einem Tag wurde ich ständig von der Sonne verwöhnt. Oft kam allerdings auch ein frischer Wind hinzu, der besonders beim Radfahren auch ganz schön nervig sein kann. An einem Tag, als der Wind einmal eingeschlafen war, konnte ich mich sogar ohne T-Shirt auf der Terrasse sonnen. Trotzdem kommt der Herbst hier mit riesigen Schritten. Bei genauer Betrachtung der Natur kann man die Veränderungen deutlich sehen. Wo vor zwei Wochen nur vereinzelte gelbe Blätter an den Birken zu finden waren, dort findet man nun fast keine grünen Blätter mehr. Es ist allerdings sehr unterschiedlich, mache Birken haben noch gar keine gelben Blätter. Neben den Gelb der Birkenblätter ist besonders das Rot der absterbenden schmalblättrigen Weidenröschen die dominierende Farbe. Grün gibt es allerdings auch noch zur genüge. Neben den Nadelbäumen sind es auch die Moose, welche größtenteils noch ein saftiges Grün zeigen. Als ich entlang des Fjells gefahren bin, fiel mir auch das Binsengras auf, welches immer mehr braun wird. Das Heidekraut hat jetzt meist auch ausgeblüht und verändert sein Aussehen in Richtung grau. Es kann mir ja nur Recht sein. Wenn er Herbst bald kommt kann ich auch Hoffnung haben, dass der Winter, und damit der Schnee auch naht.
Auf einer meiner Radtouren vergangene Woche hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis. Zumindest ist es für mich außergewöhnlich, da es bei mir zuhause nicht vorkommt. Es kreuzte ein Tier meinen Weg. Ich konnte nicht genau erkennen, ob es sich um ein Rehntier oder einen Elch handelte. Augenblicklich blieb ich stehen und zückte meinen Fotoapparat, den ich in der Gürteltasche griffbereit hatte. Vor Angst wohl, blieb auch das Tier stehen und urinierte direkt vor mir auf die Straße. Das Foto ist leider nur ein Suchbild geworden, da ich zu weit weg war. Nachdem ein paar Kilometer weiter wieder gleiche Tiere meinen Weg kreuzten, bin ich jetzt sicher, das es sich um ein Rehntier handelte. Dieses Ereignis hat mir wieder mal gezeigt, dass es sich bei der Gegend hier um eine relativ unberührte Natur handelt.
Wir haben jetzt Anfang September und in diesen Tagen wird mir sehr stark bewusst, dass das von mir angepeilte Ziel, die Winter-Paralympics 2006 in Turin, nun noch ziemlich genau ein halbes Jahr entfernt sind. Einerseits bleibt also noch reichlich Zeit um in eine optimale Form zu kommen. Andererseits heißt es jetzt konsequent am Ball zu bleiben, um die angestrebten Ziele zu erreichen. So wie das Training hier in Lofsdalen bisher gelaufen ist, bin ich sehr zufrieden. Ich habe die Trainingsumfänge, so wie geplant gesteigert und es bleibt mir genug Zeit für die notwendige Regeneration zwischen meinen Trainingseinheiten. Einzig die haushaltlichen Tätigkeiten, die halt auch gemacht werden müssen, sind Pflichten die ich von Zeit zu Zeit erledigen muss. Manchmal machen diese auch Spaß, zum Beispiel beim Kochen. Mit dam Thema Ernährung in meinem Trainingslager hier in Schweden werde ich mich in einer weiteren Folge meines Tagebuches beschäftigen. Nur soviel heute dazu, ich werde jetzt Schluss machen und in der Küche mir Spätzle mit Champignons, die ich sicherheitshalber gekauft habe, zubereiten. Nach einer langen Trainingeinheit heute morgen habe ich mir das, so glaube ich, verdient.
Bis zum nächsten Teil wünsche ich allen Lesern alles Gute und viele Grüße aus Schweden.
Tagebuch vom 29.08.2005:
Nun ist die erste Woche hier in Schweden schon vorbei. Das Training lief ganz wie ich es geplant hatte. Jedem Morgen vor dem Frühstück gehe ich hinaus, um eine halbe Stunde Frühsport mit Gymnastik und Dehnung zu machen. Um das Training so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten habe ich mich hier schon passend eingerichtet. So kann ich neben dem Training mit dem Handbike und dem Rollstuhl in Kombination mit Skistöcken auch Zirkeltraining und Einheiten am Zuggerät durchführen.
Bei meinen Trainingsausfahrten in der rauen Natur Skandinaviens konnte ich schon sehr viel schöne Augenblicke genießen. Da das Wetter mir meist wohlgesonnen war, konnte ich besonders die moosbewachsenen Freiflächen der Fjälllandschaft bewundern. Nur vereinzelte kleinwüchsige Bäume, meist Birken, unterbrechen den vielfarbig bewachsenen Boden, der im Moment meist durch das Violett des blühenden Heidekrauts dominiert wird. In den Waldgebieten, in denen ich auch schon unterwegs war, finden sich vielfältige Schätze der Natur. Blaubeeren und Preiselbeeren findet man hier. Wenn man die damit bewachsenen Flächen betrachtet, dann könnte man meinen, dass die Schweden hier Felder davon angelegt hätten. Besonders viele und sehr große Pilze kann man hier auch finden. Da meine Kenntnisse in diesem Bereich jedoch äußerst beschränkt sind, lasse ich lieber meine Finger davon. Man kann ja nie wissen welche ungewollte Nebenwirkung der Genuss falsch ausgesuchte Köstlichkeiten haben kann.
Neben dem Training habe ich mir auch schon reichlich Zeit zu Nachdenken genommen. Viele Gedanken kreisten dabei um die Wettbewerbsfähigkeit des Behindertensports in Deutschland.
Informationen, die ich auf meiner Reise nach Schweden erhalten habe regten mich zum vermehrten Nachdenken darüber an.
In Oslo habe ich an einer Sitzung einer Arbeitsgruppe des Internationalen Paralympischen Comitees teilgenommen, die sich mit der Weiterentwicklung des %-Systems für Ski-nordisch beschäftigt. Da ich dort Vertreter aus vielen Nationen getroffen habe, bekam ich einen Einblick in die Paralympicsvorbereitung der verschiedensten Länder.
Die russische Mannschaft beispielsweise, die 23 Sportler und Sportlerinnen umfasst, führt jeden Monat ein 3-wöchiges Trainingslager durch. Im Moment befinden sie sich in Vuokatti/Finnland, wo sich der Skitunnel befindet, in dem man auch im Sommer Langlauf betreiben kann.
Dort führte natürlich auch schon die finnische Mannschaft ein Sommer-Trainingscamp durch. Neben dieser Einrichtung nutzen die Finnen auch die Möglichkeit beim Training in einem Höhenhaus untergebracht zu werden, um Höhentraining zu simulieren.
Die japanische Mannschaft wird, nach dem Training im August in Neuseeland, im November nach Österreich reisen um in Ramsau zu trainieren. Wobei die Japaner ähnliche Probleme wie wir zu lösen haben. Fast alle Sportler sind berufstätig und ihre Möglichkeiten zur Freistellung, für Training und Wettkampf, sind sehr eingeschränkt. Auch ist er Etat den sie zu Verfügung haben nicht besonders hoch, so dass die Sportler einen Teil der Kosten für Trainingslager selbst mitfinanzieren müssen.
China, eine Nation die erst am Anfang im Bereich des Behindertenleistungssports steht, verfügt auch schon über ein System das man als professionell bezeichnen kann. Dort sind die Sportler ebenfalls nicht berufstätig, und den größten Teil des Jahres zum Training in einem Zentrum in Nordchina zusammengezogen.
Über die Schlussfolgerungen, die ich aus den erhaltenen Informationen ziehen soll, bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren. Unterschiedlichste Aspekte im Bezug auf den Leistungssport, und ganz speziell auf den von behinderten Menschen, sind dabei zu berücksichtigen.
Es ist mir aber einen klarer Hinweiß darauf, dass der Vorbereitungsweg für den ich mich, im Hinblick auf die Paralympics 2006, entschieden habe der für mich richtige ist.
Mit diesem Gefühl gehe ich nun die weiteren Wochen des Training hier in Lofsdalen an.
Ich hoffe, ich kann mich bald wieder bei Euch melden.
Bis dann wünsche ich allen Lesern alles Gute und viele Grüße.
Michael Weymann
Tagebuch vom 14.08.2005:
Nun ist es also endlich so weit, die heiße Phase der Paralympicsvorbereitung kann beginnen.
Von meinem Arbeitgeber, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden Württemberg, unbezahlt freigestellt kann ich mich bis zu den Wettkämpfen in Turin voll auf den Sport konzentrieren. Auch wenn ich durch den Verband keine finanzielle Unterstützung bekomme, habe ich mich entschlossen die Vorbereitung wie geplant durchzuziehen.
Dazu geht es in der nächsten Woche nun erst einmal nach Lofsdalen in Schweden. Dort möchte ich, in einem 12-wöchigen Trainingslager, die Ausdauergrundlagen für die Wettkampfphase der kommenden Saison erarbeiten. Meine Form ist zu diesem Saisonzeitpunkt sehr gut, wie eine kürzlich durchgeführte Leistungsdiagnostik ergab. Nun gilt es darauf aufzubauen. Durch die mir nun zur Verfügung stehende Zeit, wird es mir möglich den Trainingumfang deutlich zu steigern. Nur durch eine professionelle Vorbereitung sehe ich für mich die Change erfolgreich bei den Paralympics in Turin 2006 abzuschneiden.
Ich möchte gerne versuchen regelmäßig an dieser Stelle über meine Erfahrungen, Erlebnisse und Fortschritte in der Paralympicsvorbereitung informieren. Sollte ich in Schweden eine Verbindung zum Internet herstellen können, so werdet Ihr bald wieder von mir hören.
Bis dann wünsche ich allen Lesern alles Gute und viele Grüße.
Michael Weymann
|