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Im November ist Frank Höfle gerade 38 Jahre alt geworden, doch noch ist er kein bisschen müde. Sogar ganz im Gegenteil, denn in der Paralympic-Saison 2005/2006 bläst der erfolgreichste deutsche nordische Behinderten-Skiläufer zum Generalangriff auf den in den letzten Jahren überragenden Kandier Brian McKeever.
Die beinahe unvergleichliche Karriere des Sehbehinderten aus Isny begann bereits bei den Weltspielen 1984 in Innsbruck, doch noch nie hatte Höfle solch gute Voraussetzungen bei der Vorbereitung. Nach der Aufnahme in das neue "Team Turin" arbeitet der Diplom-Betriebswirt nur noch halbtags und konnte sein Trainingspensum daher ganz wesentlich steigern. 18 bis 20 gegenüber bisher zwölf Stunden kann er in seinen Sport investieren, bewältigt in der Regel vor seinem Arbeitsbeginn bereits die erste von zwei täglichen Einheiten. "Insgesamt habe ich in diesem Jahr auf Skirollern rund 4500 Kilometer zurück gelegt; das sind 80 Prozent mehr als in den Jahren zuvor", so Höfle.

Durch die weitere Unterstützung seitens des Fördervereins nutzte er die Zeit zudem zu privaten Trainingslagern auf dem Dachstein-Gletscher, um sich früh auf Schnee zu bewegen. Dabei kommt ihm auch zu Gute, dass sein Begleitläufer Johannes Wachlin (Kempten) derzeit an seiner Diplomarbeit strickt und sich das Allgäuer Duo im Training gut koordinieren kann. Dass er sich im Moment fast in der Form seines Lebens befindet, führt Frank Höfle auch auf den bereits spürbaren Einfluss des seit Juli amtierenden neuen Bundestrainers Werner Nauber zurück: "Seine detaillierte Arbeit gibt Aufschlüsse über Fehler und bringt eine bessere Steuerung der Trainingsintensität." Dadurch hat die ganze Mannschaft, so die Beobachtung von Höfle, einen spürbaren Schub erhalten: "Wir sind derzeit wieder eine tolle Truppe." Der verschärfte interne Konkurrenzkampf im deutschen Lager werde sich in den anstehenden Wettbewerben positiv bemerkbar machen, ist sich Frank Höfle sicher.
Schon die Testwettkämpfe zum Abschluss des Trainingslagers in der Ramsau werden aus seiner Sicht wichtige Fingerzeige über die Zusammensetzung der Paralympic-Mannschaft geben. Beim Weltcup Mitte Dezember in Val di Fiemme wird es dann vermutlich zum ersten Aufeinandertreffen mit dem Dauerrivalen Brian McKeever kommen. Der Kanadier hatte bei den letzten Weltmeisterschaften in Mitteltal-Obertal und Fort Kent zwar regelmäßig die Nase gegenüber Höfle vorne, doch zwischendurch schlug der Allgäuer ausgerechnet beim Weltcup-Finale 2004 in der "Höhle des Löwen" in Orford zu.
Nicht vergessen will Frank Höfle im Hinblick auf die Paralympics in Turin aber auch die starken russischen Läufer, die ausgerechnet in Isny bereits im Sommer ein Trainingslager abhielten. Die großen Anstrengungen der anderen Nationen veranlassen Frank Höfle zudem zum Appell an den Deutschen Behindertensportverband, bereits jetzt über Turin hinaus zu denken und die bestehenden Strukturen grundsätzlich zu verbessern. "Es muss in irgend einer Form eine weitere Förderung nach dem Muster des Teams Turin geben", ist seine Forderung. Dazu geht nach seiner Meinung kein Weg an einer engeren Zusammenarbeit mit dem Deutschen Skiverband vorbei: "Anknüpfungspunkte sind punktuell bereits da und müssen jetzt institutionell festgezurrt werden. Ich denke, die neue Führung des DSVist dabei auch gesprächsbereit."
28.11.2005
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